Tibetische Sprache

TIBETISCHE SPRACHE
Die Erschaffung der tibetischen Sprache geschau parallel zur Übermittlung des Buddhismus von Indien nach Tibet. Im siebten Jahrhundert bereitete der tibetische König Srong-btsan-sgam-po systematisch die Grundlage für die Überlieferung des Buddhismus nach Tibet vor. Er sah die Notwendigkeit einer Schriftsprache voraus, die geeignet ist, buddhistische Texte aus dem Sanskrit zu übersetzen und beauftragte den Gelehrten Thon-mi Sambhota, nach Indien zu reisen und ein tibetisches Schriftsystem zu entwickeln.
Der erste Text, der das tibetische Alphabet benutzte, beschreibt Verhaltensregeln, die alle Tibeter beachten sollten. Diese sechzehn Regeln beruhen auf den moralischen Werten der Buddhalehre.
Im achten Jahrhundert lud Tibets achtundreißigster König, Trisong Detsen, die führenden buddhistischen Gelehrten aus Indien ein, um in Tibet den Dharma zu etablieren. Er wählte auch 108 junge, tibetische Gelehrte aus, die in Indien zu Übersetzern ausgebildet wurden. In einer einzigen Generation wurden Vinaya, Sutras und Abhidharma, viele Werke von Mahayana-Meistern sowie der größte Teil der Tantras übersetzt.
Tibetische Buddhisten betrachten die tibetische Schriftsprache als heilig, da sie aus dem Sanskrit erschaffen wurde, der heiligen Sprache Indiens. Deshalb werden Texte nie auf den Boden gelegt, es wird nicht über sie geschritten und beschädigte Texte werden nie weggeworfen, sondern in einer besonderen Art verbrannt.
Da die klassische tibetische Sprache speziell für die Dharma-Übersetzungen geschaffen wurde, enthält sie viele Spezialausdrücke um buddhistische Ideen auszudrücken. So gibt es z.B. viele verschiedene Worte, die "Geist" beschreiben, jedes mit einer etwas anderen Bedeutung. Für jeden, der ernsthaft den tibetischen Buddhismus studieren will, ist es wichtig, die klassische tibetische Sprache zu lernen. Wenn man die Feinheiten tibetischer Begriffe versteht, gewinnt man ein tieferes Verständnis der Texte.



